Philosophie
Reiten ist keine Methode
Warum wir nicht nach Schablonen unterrichten, und was gemeint ist, wenn wir von Balance sprechen.
Meine Suche
Seit Beginn meiner Reiterei war ich auf der Suche. Aber auf der Suche nach was? Das wusste ich selbst nicht so genau. Dieses Fragezeichen über meinem Kopf blieb auch während meiner Zeit als Turnierreiterin und in den vielen Reitkursen, die ich absolviert habe.
Ich spürte, dass das nicht alles sein kann. Irgendwie hatte ich das Gefühl, keinen richtigen Zugang zu meinem Pferd zu finden. Natürlich spürte ich mein Pferd und mein Pferd spürte mich. Aber so richtig eins zu sein? War es nicht doch eher ein Funktionieren als eine Kunst?
Vor einigen Jahren besuchte ich die erste öffentliche Sonntagsarbeit in den Oliveira Stables in Waal. Diese Atmosphäre, diese Verbindung zwischen den Pferden und ihren Reitern war fast schon magisch. So etwas hatte ich noch auf keinem Turnier und in keinem Reitkurs gesehen. Ich sah, dass diese Reitweise keiner Methode folgt. Pferd und Reiter sind in Balance. Sie tanzen. Momente der Schönheit raubten mir den Atem.
Während meiner ersten Reitstunde mit meinem Islandhengst Safir in Waal war er endlich da, dieser Moment. Ich hatte gefunden, was ich so lange gesucht hatte. Balance. Das war, ist und wird immer mein Weg sein.
Mein Mentor: Manuel Jorge de Oliveira
Manuel Jorge de Oliveira ist heute eine lebende Legende, einer der letzten Reitmeister, der nach den Grundsätzen der alten klassischen Reitkunst reitet. Er gilt zugleich als einer der erfolgreichsten Stierkämpfer unserer Zeit. Im Kampf auf Leben und Tod war ihm die Verbindung zum Pferd entscheidend: das Gefühl für Balance und für den Moment.
Dennoch erfüllten ihn Ruhm und Erfolg nicht mehr. Auf seiner Suche nach der Wahrheit lernte er Nuno Oliveira kennen, und es begann ein wertvoller Austausch. Sein Verhältnis zu den Pferden veränderte sich: Er öffnete sich ihnen und bekam einen Zugang zu ihrer Seele.
Reiten ist für ihn keine Methode, Leichtigkeit kein Konzept. Seine Reiterei folgt der Spiritualität und ist gleichzeitig tiefe Meditation.
Nuno Oliveira
Nuno Oliveira (1925–1989) galt als eine der führenden Persönlichkeiten der Reitkunst des 20. Jahrhunderts: ein herausragender Lehrer, ein Ausbilder, ein Künstler im Sattel ohnegleichen.
Reiten ist Suche nach Schönheit, Geradlinigkeit und Wahrheit
Nuno verstand Reiten nicht als Sport, sondern als Kunst. Neben Technik und Gefühl, Handwerk und Wissen hat vor allem auch die Liebe einen großen Anteil.
Was das für Sie bedeutet
Bei uns ist Reiten mehr als eine Reitschule im üblichen Sinn. Es ist eine Schule auf der Suche nach Balance, als Reiter und als Mensch. Man lässt sich auf sein Pferd ein, und das Pferd kann mit Leichtigkeit und Feinheit antworten. Schablonen sind hier fehl am Platz.
Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dieses Gefühl der Balance weiterzugeben: das Einssein mit dem Pferd, das Spüren einer anderen Dimension. Reiten ist viel mehr als Technik. Es ist ein Hineinfühlen in sich selbst und in seinen Partner Pferd.
Sind Sie auf der Suche nach der wahren Reiterei? Dann sind Sie herzlich willkommen.
Carolin Rudat. Teile dieses Textes stützen sich auf manueljorgedeoliveira.com sowie auf die Bücher „Ein Hauch von Ewigkeit“, „Vertikal 1“ und „Vertikal 2“ von Manuel Jorge de Oliveira, Verlag Wu Wei.
